Kilimanjaro – August 2011

 

Der Traum – auf dem Dach Afrikas zu stehen.

 

Schon lange schwebt der Traum in meinem Kopf, den Kilimanjaro zu besteigen.

Viele unschöne Geschichten von Freunden und Berichte im Internet haben mich bis jetzt davon abgehalten.

Allen Unken zum Trotz ist es aber in diesem Sommer dann doch so weit.

 

Geplant ist der Aufstieg mit dem deutschen Anbieter "Summit Club" über die noch ursprüngliche Lemosho-Route.

Die Route soll es sein, da der Aufstieg mit sieben Tagen länger ist, als bei anderen Routen und Anbietern.

Das schlimmste bei der Tour scheint für viele die Symptome der Höhenkrankheit mit Kopfschmerzen und Übelkeit zu sein.

 

Die Trekkingtour findet zudem im August statt. Dann ist Winter in Tansania, das bedeutet weniger Regen, weniger schlüpfrige Wege, aber auch mehr Kälte.

 

Wir sind 12 Wanderer. Unterwegs werden wir unterstützt von 48 Helfern!!! Darunter sind ein Hauptguide, drei Assistant Guides, Köche, Zeltplatzverantwortliche und jede Menge Träger, die schier Unmenschliches leisten.

Kaum zu glauben, wie diese Jungs anfänglich ca. 20 Kg Gepäck den Gipfel hochschleppen, wo wir schon so mit der dünnen Luft zu kämpfen haben.

Nach einer kurzen Kennenlernphase und einem Besuch in dem Maasaidorf Olpopongi fahren wir zum Londorossi Gate, wo sich alle Träger treffen und unser Hauptgepäck, alle Lebensmittel und das gesamte Equipment gewogen und verteilt werden. Die Prozedur zieht sich über Stunden hin.

Schließlich kommen wir doch los. Wir fahren nicht ganz zum geplanten Startpunkt der Route und müssen uns sputen, da wir spät dran sind und noch 3 Stunden zum

Big Tree Camp benötigen. Nach 560 m Aufstieg und 80 m Abstieg durch dichten Regenwald erreichen wir schließlich das Camp bei einsetzender Dunkelheit.

Folgende Camps und Etappen  liegen auf unserer Trekkingtour:

 

Tag 1: Vom Startpunkt auf 2260 m bis zum Big Tree Camp auf 2780 m, 560 ↑ / 80 ↓

in 2 Stunden und 50 Minuten

 

Tag 2: Big Tree Camp (2780) bis Shira 1 Camp (3500) – 850 / 140; 6,7 Km in 5,5 h

 

Tag 3: Shira 1 Camp über die Shira Cathedral bis Shira 2 Camp (3900) plus 100 Extra Hm – 635/270; 11,5 Km in 4,45 h

 

Tag 4: Shira 2 Camp, vorbei am Lava Tower (4600) bis Barranco Hut (3950) – 750/750;

 12,8 Km in 5,5 h

 

Tag 5: Barranco Hut über die Breakfast Wall (4200) zum Karanga Camp (3950) – 675/615;

6 Km in 3 h

 

Tag 6: Karanga Camp (3950) zur Barafu Hütte (4600) plus 200 Extra-Hm

1100 / 450 in 4,5 h

 

Tag 7: Barafu Hütte (4600) zum Uhuru Peak (5895) und abwärts über das Barafu Camp zur Mweka Hütte (3100), 1300 / 2800

 

 

Die Tage 1 bis 6 waren nur der Vorgeschmack. Die Gehzeiten erwiesen sich als moderat und kein bisschen anstrengend. Zudem gehöre ich zu denen, die nicht unter Kopfschmerzen oder anderen Symptomen der Höhenkrankheit leiden.

Vielleicht, wegen der unendlich vielen Becher Schwarzen Tee und der Gemütlichkeit – jede Bewegung wird absichtlich im langsamsten Tempo vorgenommen – eben Pole Pole!

 

Der anstrengenste Tag war auf jeden Fall der Gipfeltag.

Gegen 18:00 haben wir uns gleich nach dem Dinner in die Zelte verkrochen. Geschlafen hat vor lauter Aufregung wohl kaum einer. Um 23:00 Uhr klapperte es dann auch schon wieder am Zelteingang – Aufstehen!!

Mit mehreren Lagen Kleidung (lange U-Hose, Trekkinghose, Langarmshirt, 100er Fleece, Fleeceweste, Softshelljacke) und einigen Keksen im Magen geht es um 24:00 Uhr los. Es ist stockdunkel.

Im Barafu Camp haben wir einen schlechten Platz ergattert und müssen quer durchs Camp über lose Steinplatten steigen. 50 extra Höhenmeter haben wir zu bewältigen. Vor uns sind schon einige unterwegs. Ein Blick nach oben zeigt eine unendlich steil ansteigende Schlange von Leuchtpunkten - den Stirnlampen der Bergsteiger - und irgendwo darüber leuchtende Sterne.

 

Begleitet wird unser Tross von 7 Guides. Einer in sehr langsamen Schritt vor uns und die anderen springen leichtfüßig nebenher und dahinter.

Nach kurzer Zeit steigt einer aus der Gruppe schon aus.

Es werden nun zwei kleinere Grüppchen gebildet – jede mit einem Tempomacher.

Unsere erste Gruppe startet durch und überholt viele Wanderer, von denen nicht alle einen guten Eindruck machen.

Je höher wir steigen, desto kälter wird es. Auf der Strecke werden die letzten Kleidungsstücke aus den Rucksack angezogen. Die Goretexjacke und die Regenhose wärmen dann auch nicht wirklich.

Das vorher heiße Wasser in den Sigg-Flaschen wird nun auch immer kälter.

Richtig hilfreich waren die 4 Isostar-Geltüten, die bei Bedarf schnell Energie lieferten.

Immer nur den Blick auf die Hacken des Vordermann gerichtet, bemerkte man manchmal, dass die Sicht verschwimmt – dann wurde es Zeit, einen mundvoll Gel zu nehmen.

Besonders hat mir auf der Tour mein MP3-Player geholfen. Mit der Lieblingsmusik im Ohr kann man so richtig das Gehirn abschalten und nicht über die Anstrengung nachdenken.  So kam dann auch nie der Gedanke ans Aufgeben hoch oder: "Warum der ganze Sch.....?"

 

Stundenlang gehen wir bergauf, zwischendurch legen wir drei winzige Trinkpausen ein.

Irgendwann bekommt man beim Aufschauen den Eindruck, dass die Schlange der Leuchtpunkte nicht mehr so lang ist und die Sterne am Himmel zum Greifen nahe sind.

Und plötzlich ist der Rand der Caldera am Stella Point erreicht. Unser Trupp ist nun einer der ersten. Es ist noch stockfinster – bis zum Sonnenaufgang ist es noch viel Zeit. So starten wir völlig entfesselt los. Nach einer knappen ¾ Stunde kommt der Uhuru Peak in Sicht.

Die Sonne geht auf – alles ist perfekt. Um 06:30 h stehen wir auf dem Dach Afrikas.

Noch einige Fotos von der Holztafel und den Gletschern und wir werden angetrieben, nach unten zu gehen, um aus der Höhe herauszukommen.

 

Auf dem Weg zurück zum Stella Point platzen wir fast vor Freude, als uns der Rest aus der Gruppe entgegenkommt. Vor allem freut es uns für Klaus, der es mit seinen 70 Jahren nur noch wenige Meter zum Ziel seiner Bergwanderträume hat.

 

Rasant geht es über loses Gestein rutschend steil nach unten. Schnell steht fest, diesen Weg kann man beim Aufstieg nur im Dunkeln gehen - bei Tageslicht würde man sich verweigern.

Mittags erreichen wir wieder das Barafu Camp und haben einige Stunden Zeit, uns im Zelt zu erholen, bis es weiter bergab zum Mweka Camp geht.

 

Alles in allem war die Tour für mich gar nicht so schlimm, wie ich vielerorts gelesen oder berichtet bekommen habe.

Ob ich den Berg nochmal besteigen möchte ?

Nein, einmal reicht und anderswo warten andere schöne Gipfel.